Wer über Dichte spricht, spricht meistens an ihr vorbei. Die Geschossflächenzahl, kurz GFZ,
ist die Kennzahl, mit der Stadtplanungsämter, Investoren, Architekturbüros und
Bauausschüsse operieren. Sie misst die Bruttogeschossfläche eines Gebäudes geteilt
durch die Fläche seines Grundstücks. Sie ist eine grundstücksbezogene Kennzahl, gemacht
für die Bauleitplanung. Sie sagt, wie ausgenutzt ein Grundstück ist. Sie sagt gar nichts
über die Stadt.
Das ist nicht eine technische Petitesse, sondern der Grund, warum die deutsche
Planungsdebatte seit Jahrzehnten an der Sache vorbeiredet. Wer eine GFZ von 3,0 auf
einem Grundstück plant und dabei auf großzügige Erschließungsstraßen, weiträumige
Parkplatzfelder und großzügige öffentliche Grünflächen zurückgreift, hat ein Grundstück
effizient genutzt – und ein Quartier produziert, in dem niemand gerne zu Fuß geht, in
dem keine Erdgeschossgastronomie überlebt und in dem die Wege länger sind als das Begehen
verträgt. „Aber wir bauen doch dicht!" – der Satz fällt regelmäßig, und er ist nicht
inmal gelogen. Auf dem Grundstück wird dicht gebaut. Das Quartier bleibt dünn.
Das richtige Maß ist nicht die Geschossflächenzahl pro Grundstück, sondern die
Quartierdichte: die Summe aller Bruttogeschossflächen, geteilt durch die gesamte Fläche
eines Quartiers, einschließlich Straßen, Gehwege, Plätze, Parks, Parkplätze, Brachen,
Hinterhöfe. Sie misst, was wir tatsächlich erfahren, wenn wir uns in einer Stadt
bewegen.
Diese Verschiebung ist nicht statistisch, sie ist phänomenologisch. Sie betrifft nicht
die Rechenart, sondern den Gegenstand, der überhaupt gemessen werden soll. Stadt ist
keine Aggregation von Grundstücken, sondern eine Struktur der Wahrnehmung. Wir gehen in
ihr, wir sehen sie sequenziell, wir bewegen uns durch sie, und sie wirkt auf uns nicht
entlang von Grundbuchgrenzen, sondern entlang dessen, was Maurice Merleau-Ponty die
Tiefe des Wahrnehmungsfeldes genannt hat. Eine Straße ist nicht die Summe ihrer
Grundstücke. Sie ist das Zusammenspiel von Gebäudefluchten, Erdgeschossen, Höhenrhythmen,
Lichtverhältnissen, Geräuschen, der Konstellation des Entfernten mit dem Nahen. Rudolf
Arnheim hat in den 1970er Jahren in The Dynamics of Architectural Form gezeigt, dass
das, was wir als architektonischen Raum erleben, nicht durch das einzelne Gebäude, sondern
durch das Verhältnis der Gebäude zueinander gebildet wird – durch den Raum zwischen ihnen,
der durch sie geformt ist. Walter Benjamin hat lange vorher beschrieben, wie auch
Entferntes in die Wahrnehmung des Nahen eingeht: der Gebirgszug am Horizont gehört zur
Aura des Wanderns durch das Tal, das vierhundert Meter entfernte Haus zur Atmosphäre
des Stehens an dieser Stelle. Das gilt für die Stadt nicht weniger als für die
Landschaft. Wer an einer Straßenecke steht, sieht nicht das eigene Grundstück, sondern
den Raum, den vier-, fünf-, sechshundert Meter Stadt um ihn herum bilden.
Die Konsequenz ist scharf. Eine Kennzahl, die diese Wahrnehmungsstruktur ignoriert – die
rechnet, als wäre Stadt eine Sammlung von Parzellen – produziert nicht nur ungenaue
Aussagen, sondern falsche. Sie misst etwas, das es als Erfahrungsgegenstand nicht gibt.
Eine GFZ von 2,5 auf einem Grundstück hat keine Entsprechung in der Wahrnehmung eines
Passanten, weil der Passant das Grundstück nicht sieht. Er sieht das Quartier. Und das
Quartier kann bei derselben GFZ extrem dicht oder völlig dünn sein, je nachdem, wie die
Grundstücke um es herum bebaut sind, wie breit die Straßen, wie groß die Abstandsflächen,
wie weit gestreut die Häuser. Wer GFZ misst und „Dichte" sagt, sagt einen Satz, der die
Sache verfehlt, um die es in der Stadtplanung eigentlich geht: um die räumliche Erfahrung
jener, die in der Stadt leben.
Dass das nicht abstrakt ist, zeigt sich, sobald man die Rechnung anders aufzieht. Wer
Quartierdichten misst statt Grundstücks-GFZ, findet heraus, dass die populärsten
Feindbilder der deutschen Dichtedebatte gar nicht dicht sind. Berlin-Marzahn,
Hamburg-Mümmelmannsberg, München-Hasenbergl, Stuttgart-Hallschlag – die typischen
Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre, die das negative Vokabular der Verdichtung
tragen, kommen bei Quartierbetrachtung auf Werte zwischen 0,8 und 1,2. Sie sind nicht zu
dicht. Sie sind zu dünn. Die Gebäude sind hoch, aber sie stehen weit auseinander, getrennt von Abstandsgrün, das niemand nutzt, von Parkplätzen, die niemand braucht, von Erschließungsflächen, die niemand durchquert. Das modernistische Paradigma „Licht, Luft und Sonne" hat keine dichten Quartiere geschaffen, sondern dünne mit hohen Häusern.
Das Berliner Winsviertel, gründerzeitlich, sechsgeschossig, das jeder als „dichte Stadt"
wahrnimmt und für das jeder zu zahlen bereit ist, kommt bei derselben Rechnung auf eine
Quartierdichte von 2,3. Mehr als doppelt so dicht wie Marzahn.
Das ist der Befund, an dem sich die deutsche Planungsdebatte zerlegen lassen müsste. Die
Großsiedlungen, die wir als Inbegriff der Verdichtung erinnern, sind nicht dicht, sondern
mitteldicht. Die Gründerzeitquartiere, in denen wir leben wollen, sind weit dichter, als
die gegenwärtigen Planungsparadigmen für noch erträglich halten. Was wir als „zu dicht"
abwehren, war es nie. Was wir als „angenehm städtisch" lieben, müsste nach denselben
Maßstäben unerträglich sein. Beides stimmt nicht zusammen. Beides stimmt unwidersprochen
weiter.
Stadtplanungsämter, die mit GFZ rechnen und Quartierdichten nicht erheben, planen mit
einem Maß, das die Sache verfehlt, um die es geht. Investoren, die mit GFZ argumentieren
und Quartierqualitäten als „weiche Faktoren" abtun, verkaufen Wohnungen in Quartieren,
deren Bewohner sie schnell wieder verlassen. Architekturbüros, die mit „urbaner Dichte"
werben und in Geschossflächen pro Einzelgrundstück denken, operieren mit einem Begriff von Stadt, der die Stadt nicht enthält.
Eine Planung, die das eigene Maß nicht klärt, weiß nicht, was sie tut. Solange GFZ als
Dichte verkauft wird, planen wir die Stadt nach einer Kennzahl, in der die Stadt nicht
vorkommt.
Quellen:
Was die deutsche Planungskultur als „ausgewogen" verkauft, ist gescheitert – und genau das ist die
Gelegenheit, die wir jetzt nicht verstreichen lassen dürfen.
Wer offizielle Pressemitteilungen zu neuen Stadtquartieren liest, stößt auf ein wiederkehrendes
Vokabular: „großzügige Grünflächen", „moderate Dichte", „ausgewogenes Verhältnis", „angemessene
bauliche Konzentration". Das klingt vernünftig. Es ist die Sprache, in der Investoren und
Stadtplanungsämter ihre Projekte der Öffentlichkeit verkaufen. Es ist auch die Sprache, in der seit
dreißig Jahren systematisch Quartiere geplant und gebaut werden, die ihre Bewohner enttäuschen.
Das Frankfurter Europaviertel ist das Lehrstück. Geplant ab 1999, weitgehend fertig Ende der 2010er
Jahre, in zentraler Lage neben der Messe. Ein Drittel Grünfläche. Quartierdichte 1,1. Die
Projektwebsite preist „städtebauliche Großzügigkeit" und ein „Quartier zum Durchatmen". Die
Nachhaltigkeitsseite trägt die Überschrift „Unübertrefflich Grün". Die Deutsche Gesellschaft für
Nachhaltiges Bauen hat das Europaviertel West mit Platin zertifiziert.
Die Bewohner und die Frankfurter selbst sprechen anders. Der Architekt Christoph Mäckler stellte
2016 auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Frage „Das soll urban sein?" und
sprach von der „abstoßenden Kälte und Langeweile" der „ungefassten Stadträume" im Europaviertel und
vergleichbaren Quartieren. Eine langjährige Frankfurterin formuliert in t-online treffender, was den
Eindruck zusammenfasst: das Quartier wirke wie „eine schön verzierte Haustür, die in einen leeren
Raum führt". Für viele gilt das Quartier als „Beton-Ödnis, trostlos und nicht besonders einladend".
Die Zahlen bestätigen das Gefühl: Die Europa-Allee verzeichnete 2024 die höchste Zahl an Ein- und
Auszügen aller Straßen Deutschlands – 628 in einem Jahr (Deutsche Post Adress, Umzugsstudie 2024).
Wer dort einzieht, zieht überdurchschnittlich oft auch wieder aus.
Das Quartier wird nicht gehasst wegen zu wenig Grün. Es wird verlassen, weil der öffentliche Raum
keiner ist. Die Gebäude stehen so, als gäbe es keinen öffentlichen Raum, den sie formen müssten.
Sie besetzen Fläche, sie bilden keine. Was die Forschung seit Jane Jacobs 1961 vorgerechnet hat –
Tröger und Eberle haben es für den deutschsprachigen Raum präzise nachgemessen – ist eindeutig:
Quartierdichten unter 1,8 produzieren Räume, in denen Atmosphäre und Form das Gehen entmutigen. Das
Europaviertel liegt deutlich darunter. Die Walkability-Forschung nennt Schwellenwerte: mindestens
10.000 Bewohner und 5.000 Arbeitende auf einem Radius von 500 Metern, damit Einzelhandel der
Grundversorgung überlebt. Das Quartier unterschreitet diese Werte deutlich. Die Mobilitätsforschung
zeigt: Wer Klimaneutralität ernst nimmt, muss zentral und dicht bauen – denn die CO2-Bilanz eines
Quartiers entsteht zur Hälfte über die Mobilität seiner Bewohner. Ein DGNB-Platin auf einem
unterdichten Quartier in zentraler Lage ist ein Zertifikat über die falsche Frage.
Wir bauen seit dreißig Jahren in einer Zone, die Jacobs „in-between densities" nannte und die, in
ihren Worten, „nichts als Ärger produziert". Wir haben die Zahlen. Wir bauen daran vorbei.
Warum? Weil „Dichte" in der deutschen Planungskultur weiterhin Doré bedeutet – die Stiche von London
im 19. Jahrhundert, die Münchner Wohnungserhebungen vom Anfang des 20., das Trauma überbelegter Slums.
Die modernistische Antwort darauf – Licht, Luft, Sonne, Abstand – war historisch verständlich. Sie
verwechselte überbelegte Wohnungen mit hoher baulicher Dichte. Diese Verwechslung ist seit hundert
Jahren widerlegt. Sie ist trotzdem Routine, und die Routine wird nicht mehr verteidigt, sondern
fortgeführt.
Mit einer Ausnahme: Sie funktioniert jetzt auch ökonomisch nicht mehr. Mit heutigen Baukosten ist
eine Quartierdichte von 1,1 in zentraler Lage nicht mehr darstellbar. Das Europaviertel ließe sich
heute nicht mehr finanzieren. Diesen Befund nimmt die Investorenseite still zur Kenntnis. Die
Stadtplanungsämter schreiben weiterhin „maßvoll" in ihre Pressemitteilungen.
Die Forderung ist nicht eine „moderate" Dichtesteigerung um zehn oder dreißig Prozent. Sie ist eine
Verdoppelung. Hundert Prozent. Quartierdichten von zwei und mehr in zentralen, gut erschlossenen Lagen. Das ist nicht radikal. Das ist das, was um 1900 in jeder europäischen Stadt gebaut wurde – die Quartiere, in denen wir heute am liebsten wohnen und für die wir am meisten zu zahlen bereit sind.
Was Stadtplanungsämter endlich anerkennen müssen: Sehr hohe bauliche Dichte ist nicht das, wovor die
Öffentlichkeit beschützt werden muss. Sie ist die Bedingung dafür, dass die Qualitäten überhaupt entstehen können, die wir alle an der Stadt schätzen. Sie ist wirtschaftlich, ökologisch und räumlich geboten. Wer weiter „ausgewogen" plant, baut weiter Europaviertel.
Weinen wir dem nicht hinterher. Es hat nie funktioniert.
Quellen:
Es gibt kaum eine zweite Disziplin, die sich einerseits als forschungsbasiert versteht und andererseits
jeder fundierten Auseinandersetzung mit Methoden und Wissensgrundlagen verweigert. Die Stadtplanung
beruft sich auf ihren Expertenstatus, wann immer sie ihn braucht – um Halbgares zu autorisieren, um
eine Behauptung gegen Laienkritik abzusichern, um sich aus politischen Auseinandersetzungen
herauszuhalten. Worauf dieser Expertenstatus genau beruht, bleibt diffus.
Die Wissenschaftssoziologin Karin Knorr-Cetina hat in ihrer Studie Wissenskulturen die Vorgehensweisen
zweier scheinbar gleichartiger Naturwissenschaften – Molekularbiologie und Hochenergiephysik –
verglichen und dabei den Begriff der Wissenskultur geprägt. Ihr Befund: Disziplinen sind nicht
abstrakte Wissensbestände, sondern konkrete Zivilisationen mit je eigenen empirischen Verfahren,
Strategien der Zusammenarbeit, Standards der Belegung und Routinen der Auswertung. Eine Disziplin ist
das, was sie tatsächlich tut, wenn sie wissenschaftlich arbeitet – nicht das, was sie über sich
behauptet.
An diesem Maßstab gemessen ist Stadtplanung eine schwache Wissenskultur. Es fehlt ihr nicht an Wissen
– in jedem realisierten Quartier ist Wissen eingeschrieben, in jedem missratenen Bebauungsplan eine
Lektion. Es fehlt ihr an den Verfahren, dieses Wissen zu heben, zu sichern und weiterzugeben. Wenn
die Hochenergiephysik ein Experiment durchführt, dokumentiert sie die Annahmen, die Methode, die
Ergebnisse, und sie diskutiert die Schlüsse für den Stand der Forschung. Wenn die Stadtplanung ein
Quartier baut, baut sie ein Quartier. Was dort gelernt wurde, bleibt zumeist im Schreibtisch
derjenigen, die es gelernt haben, oder verschwindet mit ihnen in den Ruhestand.
Die HafenCity in Hamburg ist ein Beispiel. Sie wird in jeder zweiten Stadtplanungsdebatte als Referenz
angeführt. Wer in Stuttgart, Frankfurt oder Berlin ein neues Quartier plant, fährt nach Hamburg und
schaut sich um. Was nicht stattfindet, ist eine gründliche Auswertung der HafenCity als Ergebnis:
welche Annahmen sind in sie eingeflossen, welche Methoden, welche Wissensbestände? Welche dieser
Annahmen haben sich bewährt, welche nicht? Was lernen wir für die nächste Planung – nicht als
Inspiration, sondern als Befund? Im Regelfall geschieht das nicht. Die HafenCity wird besichtigt,
nicht ausgewertet. In einer ernsthaften Wissenskultur wäre sie das Pendant zu einer Publikation, an
die andere Publikationen anschließen könnten. In der gegenwärtigen Stadtplanung ist sie ein
Ausflugsziel.
Daraus folgt eine bestimmte Praxis im Umgang mit Referenzen. Sie werden als Inspiration benutzt, als
Atmosphäre, als visuelles Material – kaum jemals als Wissensquelle, aus der grundlegende Prinzipien
abgeleitet werden könnten, die dann auf die eigene Fragestellung anzuwenden wären. Eine Referenz
nutzbar zu machen, hieße: das in ihr eingeschriebene Wissen zu abstrahieren, scharfe Prinzipien
herauszuziehen und diese konsequent anzuwenden. Das ist anstrengend, weil Theorie Konsequenz verlangt,
und Konsequenz Risiko erzeugt – das Ergebnis könnte den eigenen Vorlieben widersprechen. Genau hier
setzt das Versagen ein.
Stadtplaner kennen den Reflex: Sobald jemand versucht, ein abstrahiertes Prinzip stringent zur
Anwendung zu bringen, sind es selten die Anwohner und fast immer die Planer selbst, die auf die
„Wichtigkeit des Ortsspezifischen" verweisen, auf „Besonderheiten", auf „Nuancen". Der spezifische
Kontext wird zur rhetorischen Waffe gegen die Theorie. Die Kanten des Prinzips werden so lange
geschliffen, bis sie nicht mehr schneiden. Was übrig bleibt, ist der konfliktverschleiernde,
theoriefeindliche Durchschnitt, in dem jeder seine Befindlichkeit wiederfindet und nichts geschieht,
was als Konsequenz beschreibbar wäre.
Das ist nicht Pluralismus. Das ist als Sensibilität verkaufte Konfliktscheu. Eine Theorie kann nur
dann intellektuell produktiv, empirisch generativ oder praktisch erfolgreich sein, wenn sie stringent
angewendet wird. Konsequenz ist nicht das Gegenteil von Vermittlung. Sie ist ihre Voraussetzung: Was
sich nicht stringent begründen lässt, lässt sich auch nicht erklären. Was übrig bleibt vom Verwässern
der Theorie, sind Verfahren, deren Logik niemand mehr nachvollziehen kann, am wenigsten die
Beteiligten. Wer das nicht aushält – weil die Konsequenz wehtun könnte, weil persönliche Vorlieben in
Frage gestellt werden, weil das Risiko zu hoch erscheint, beim Wort genommen zu werden – sollte
aufhören, sich auf Theorie zu berufen, und sich öffentlich zur Geschmackspolitik bekennen. Das wäre
ehrlicher.
Die Motive lassen sich zuspitzen. Wer Theorien verwässert, tut es entweder aus Ignoranz – man kennt
keine, oder hegt eine Abneigung gegen die Idee, dass es welche gibt – oder aus Mutlosigkeit – man hat
Angst davor, was Theorie produzieren könnte. Beides ist legitim als persönliche Haltung. Keines ist
legitim als professionelle Praxis in einer Disziplin, die für sich beansprucht, mit Wissen zu arbeiten.
Was Stadtplanung tun müsste, um eine Wissenskultur zu werden, ist nicht groß. Sie müsste anfangen,
ihre eigenen Projekte als Wissensproduktion zu behandeln – sie auswerten, dokumentieren, diskutieren,
kritisieren. Sie müsste Theorien stringent anwenden und das Ergebnis aushalten. Sie müsste den Reflex,
Theorie durch Nuancen zu schwächen, als das benennen, was er ist: nicht Sensibilität, sondern
Vermeidung.
Solange sie das nicht tut, beruft sie sich auf einen Expertenstatus, der durch die eigene Praxis nicht
gedeckt ist. Das ist nicht ein methodisches, sondern ein professionsethisches Problem.
Quelle: